Immobilien

In der Immobilienwirtschaft wird Virtual Reality zwar noch nicht grossflächig genutzt, ein paar Unternehmen haben sich allerdings bereits auf dieses Gebiet spezialisiert. In Australien existiert beispielsweise das Unternehmen Start VR, welches die Möglichkeiten von VR nutzt, um ein neuartiges Erfahrung mit Immobilien zu präsentieren. Im Zuge eines grösseren Bauprojekts von Wohnblöcken in Sidney konnten potenzielle Käufer, anhand der eigenentwickelten App „Edge28“ in Kombination mit der Samsung Gear VR oder Google Cardboard, bereits im Voraus die Wohnungen und Umgebung erkunden.

Zwar sind interaktive Video-Besichtigungen, zum Teil in 360° Grad,  in der Immobilienbranche schon durchaus gängig, die VR-Technologie ermöglicht es aber, noch einen Schritt weiter zu gehen, indem es ein echtes immersives Erlebnis bietet. Simpel ausgedrückt soll das Ziel sein, interessierten Zielpersonen das Gefühl zu vermitteln, wie es sein würde, in einer fertig gebauten und eingerichteten Wohnung  im 10. Stock zu leben und dabei aus dem Fenster zu schauen.

Dafür wurden unter anderem hochqualitative Architekturentwürfe vom Computer in Kombination mit 360° Drohnen-Aufnahmen der Umgebung zu einer fotorealistischen virtuellen Welt zusammengesetzt. Weitere Features, welche die Immersion zusätzlich verstärken sollen, sind Simulationen von verschiedenen Tageszeiten und die Integration von passendem Tonmaterial, welches z.B. realistische Wind- oder Verkehrsgeräusche enthält.

Auf der Webseite von Start VR ist ein weiteres Demonstrationsvideo zu sehen.

Dass dies ein aufkommender Anwendungsfall ist, welcher in Zukunft noch mehr Bedeutung haben wird, zeigt die Tatsache, dass sich auch weitere Unternehmen darauf spezialisiert haben, solche Lösungen für Immobilienagenturen, Architekten, Designern, etc. anzubieten. VR Global ist ein Beispiel dafür: Sie kombinieren Bild- und Videoinhalte unterschiedlicher Formate mit dreidimensionaler Modellierung sowie Effekten und kreieren somit auf die entsprechenden Zielgruppen zugeschnittene  Anwendungen von VR.


Während es wie bereits erwähnt schon geführte Besichtigungen von Immobilien gibt, auch mit 360°-Ansicht, kann das Erlebnis nicht mit der Immersion der virtuellen Realität eines VR-Headsets mithalten, weil man als Besucher dann wirklich „mittendrin“ ist.
Diese Art von Führungen mit VR bezeichnet man als geführte virtuelle Begehungen und werden als 360°-Video angeboten, welches man über ein VR-Headset beliebig oft anschauen kann.

Es gibt auch noch die Möglichkeit, das Erlebnis für einen Besucher interaktiver zu gestalten. Könnte man sich noch frei in der virtuellen Umgebung, also durch die Immobilien zu bewegen, könnte man jeden Winkel des Objekts hautnah erkunden. Die Einbindung von zusätzlichen Funktionen, welche gesteuert werden könnten wie z.B. das Ein-und Ausschalten von Licht, Kaminfeuer oder das Bedienen von Rollladen würden das Erlebnis noch mehr intensivieren.
Diese Form wird interaktive virtuelle Begehung genannt und müsste beispielsweise in Form einer App angeboten und konsumiert werden.

Dieses Demonstrationsvideo zeigt auf, welche Möglichkeiten man in einer solchen interaktiven, virtuellen Begehung haben kann:

Ähnlich wie bei der individuellen Konfiguration bzw. Anpassung von Endprodukten (→ Autos, Möbel, etc.), welche heutzutage immer mehr an Bedeutung gewinnt und meist auf elektronischem Wege vollzogen wird, gäbe es durch Virtual Reality die Möglichkeit, dies auch bei Immobilien sinnvoll einzusetzen, nicht als E-Commerce, sondern als Virtual Commerce. Dies könnte gut mit interaktiven virtuellen Besuchen in derselben App kombiniert werden.


Die Möglichkeiten durch VR bei Immobilien sind also durchaus vielfältig. Ein Vorteil, welcher die Anwendung von Virtual Reality mit sich bringt ist, dass potenzielle Kunden mit Interesse an einem Objekt nicht zwingend den Weg auf sich nehmen müssen, welcher teilweise unvorteilhaft lang sein kann, während dem Interessent generell ein viel besseres Bild vom Objekt vermittelt wird, als über die Betrachtung von einzelnen Bildern oder Entwürfen.

Durch die Immersion der VR-Headsets und der fotorealistischen Abbildungen der Objekte erkennen potenzielle Interessenten bereits schneller, ob die Objekte den Erwartungen und Ansprüchen genügen – nicht selten merken Interessenten bei den Begehungen nämlich an, dass es nicht gleich wie auf den Fotos aussehen würde. Die Begehungen wären daher auch ziemlich unabhängig davon, ob ein Objekt bereits existiert, sich noch im Bau oder erst in der Entwurfsphase befindet .

Nicht zu vergessen ist, dass es auch Vorteile für Immobilienmakler mitbringt: Auch sie müssten nicht mehr jeden Weg von Besuch zu Besuch auf sich nehmen und wären damit weniger anfällig gegenüber externen Störwirkungen. Es wäre möglich, in kurzer Zeit deutlich mehrere Immobilien anzuschauen und damit auch mehr Personen zu erreichen.

Somit könnte durch diese veränderte Ausgangssituation also einiges an Zeit einspart werden, was das Immobiliengeschäft im Endeffekt effizienter machen könnte, gleichzeitig wäre das Betrachten von Objekten für Kunden auch deutlich einfacher, sowie aufregender.